

Die vertikale Distraktion ist ein preprothethisches Verfahren. Der Distraktor distrahiert den atrophierten Kiefer durch ein zuvor osteotomiertes Knochensegment mit 1 Millimeter pro Tag in die gewünschte Richtung (Vektor).
Die Distraktion des Kieferkammes bewirkt einen Knochenaufbau im Ober- und Unterkiefer. Bei frühem Zahnverlust oder nach Unfalleinwirkung ist dies eine wichtige Vorbereitung für die spätere prothetische Versorgung. Der Knochenzuwachs bedeutet in jedem Fall eine Verbesserung: Zahnimplantate lassen sich sicherer verankern und auch die Ästhetik profitiert.
Wichtig für den Erfolg der Distraktion sind ein strenges Rauchverbot sowie eine gute Oralhygiene. Wir empfehlen, während der gesamten Distraktion nur weiche Kost zu essen.
Eine erste Version wurde für den Unterkieferkörper entwickelt, eine zweite für den aufsteigenden Kieferast (Ascending Ramus). Der Distraktor kann sowohl mit den Platten nach unten, als auch mit den Platten nach oben befestigt werden. Außerdem sind die Distraktoren vollständig symmetrisch, so dass es keine linke oder rechte Version gibt.
Zürich-Unterkiefer- und Zürich- Mittelgesichtsdistraktoren:
Die Zürich-Distraktorenfamilie wurde speziell für faziale Unterentwicklungen oder Asymmetrien bei Kindern und Jugendlichen konstruiert. Sie gewährleistet eine sichere und kaum spürbare Behandlung von vererbten oder erworbenen Fehlbildungen.
Auch mit gesetztem Distraktor sind fließende Knochenbewegungen möglich, denn der gewählte Vektor kann jederzeit angeglichen oder modifiziert werden. Ein neuer Überbrückungsstab reduziert den Distraktor in der Konsolidierungsphase auf ein Minimum.
Diese Kavität nutzen wir für die Verankerung eines internen Distraktors. Der Transsinusoidal Midface Distraktor (TSMD) erlaubt körperintern Distraktionen bis zu 30 Millimeter. Dank rigider Mikroplatten und seiner Position im zentralen Mittelgesicht widersteht der TSMD auch kräftigen Zugbewegungen. Das ist bei erwachsenen Patienten besonders wichtig. Mittels der kardanischen Aktivierungsspindel kann der Patient das System auch intraoral aktivieren, so dass der Distraktor komplett unsichtbar bleibt. Das bringt einen weiteren erheblichen Vorteil mit sich: Die aktive Distraktion kann von einer längeren Konsolidierungsphase begleitet werden. So bleiben Rezitive (Zurückverlagerungen) weitgehend aus.
Die Arnaud-Marchac Distraktoren tragen der Komplexität kraniofazialer Fehlbildungen insbesondere bei Kindern Rechnung. Die Systeme wurden von den beiden führenden französischen Chirurgen Eric Arnaud und Daniel Marchac entwickelt.
Insgesamt setzt der Chirurg vier interne Distraktoren, von denen zwei das Wachstum des Gehirns und wiederum zwei das Wachstum des Gesichtsschädels definieren. Alle Distraktoren können unabhängig voneinander im Vektor bestimmt und separat aktiviert werden. Der geringe Durchmesser der Distraktoren sichert ein Maximum an Patientenkomfort. Gleichzeitig sinkt das Verletzungsrisiko bedeutend, weil das Risiko von Stürzen ausgeschlossen werden kann. Schließlich kann die geringe Größe des Distraktors für eine längere Retentionsphase genützt werden, weil die Distraktoren den Patienten in seinem Alltag nicht stören.
Mit dem horizontalen Alveolardistraktor ist das anders: Er nützt die wichtigen Vorteile der Distraktion für eine Verbreiterung des Kieferkamms. Das angehängte Weichteilgewebe wird gleichzeitig mitgedehnt - ein wesentlicher Vorteil für die spätere prothetische Versorgung.
Gewöhnlich wird von anterior nach posterior distrahiert. Beim Herford Transportdistraktor sorgen mehrere Gelenke für ein Höchstmaß an Bewegungsfreiheit. Das ermöglicht eine Distraktion vom Bereich der Symphyse bis in den Unterkieferwinkelbereich.
Herford-Distraktoren sind in einer linken und rechten Variante in Distraktionslängen von 30 bis 60 Millimeter erhältlich. Sie bauen auf dem kompletten Spektrum der 2,7 Millimeter Thread Lock Platten auf.
KLS Martin entwickelte den Rotterdam Palatinal Distraktor als Alternative zu den bereits bestehenden Verfahren und Implantaten. Er basiert auf dem Wagenheber-Prinzip und ist aufgrund seiner minimalen Einbaubreite selbst für Syndrompatienten mit Engständen von bis zu 10 Millimeter geeignet.
Der Distraktor ist das einzige vom Knochen getragene Konzept, das ohne Schrauben im Gaumen fixiert wird. Die scharfkantigen Pins verkeilen sich in der Knochenkortikalis und garantieren sicheren Halt. Neben der Implantation ist auch die Entnahme des Distraktors problemlos - und weitgehend narbenfrei. Und da es beim Rotterdam-Distraktor keine losen Komponenten gibt, können auch keine Kleinteile verschluckt werden.