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06.11.2020 | Interview

Ass. Prof. Dr. Gabriele Millesi über Ihren Weg in der MKG-Chirurgie und ihr Amt als Präsidentin der IAOMS

Ass. Prof. Dr. Gabriele Millesi

Wie sind Sie gerade zur MKG-Chirurgie gekommen?

Zu meiner Zeit war es und ist leider immer noch so, dass die MKG-Chirurgie bei den wenigsten im Bewusstsein ist. Sie hat immer noch eine Randstellung. Als Medizinstudentin war ich von jedem Fach begeistert. Ich hatte aber einen Freund, der mich in Richtung MKG-Chirurgie gebracht hat. Er riet mir, das Fach Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde zu belegen, da es in Österreich damals die kürzeste Ausbildungsdauer aufwies. Wenn ich ganz ehrlich bin, hat mich die Zahnmedizin aber eigentlich nicht interessiert. Ich wollte etwas Chirurgisches machen. Aus diesem Grund habe ich versucht, beides miteinander zu kombinieren. So bin ich damals auf die Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Universität in Innsbruck gestoßen. Dort habe ich noch in meinem Studentendasein viele Wochen mitgearbeitet und meine Faszination für das Fach entdeckt. Ich hatte keine Ahnung, dass das Fach Operationen von der Schädelbasis bis zum Schlüsselbein abdeckt und kann mich noch genau daran erinnern, als ich meine erste Down-Fracture bei der Le Fort I-Osteotomie gesehen habe. Da war ich von den Möglichkeiten des Fachs wirklich begeistert. Als ich dann am nächsten Tag das Ergebnis von dieser schönen ästhetischen Korrektur des Gesichts des Patienten sah, da wusste ich, dass das genau meine Disziplin ist und ich diese weiterverfolgen möchte.
 

Worin begründet sich Ihre Leidenschaft für das Gebiet?

Wir arbeiten am eigentlich wichtigsten Teil für das Sozialleben eines Menschen - am Kopf. Dadurch hat die MKG-Chirurgie eine extreme Bedeutung für die Lebensqualität der Patienten. Der MKG-Chirurg ist der Spezialist, der sich mit Knochen und mit Weichteilen auskennt und sich darüber hinaus, wie der Zahnmediziner, sehr stark mit der Okklusion beschäftigt. Bei jedem Eingriff steht die Rehabilitation der Okklusion und damit der Kaufunktion im Mittelpunkt. Das ist etwas, was der MKG-Chirurg von seiner Ausbildung her einfach kann und was uns im Verhältnis zu anderen Fächern einen Vorteil verschafft.

In vielen Randgebieten sehen wir aber auch Überlappungen zu Nachbarfächern, von denen alle Fächer profitieren können, die aber auch einen Austausch untereinander erfordern. Für eine gute Kooperation sind aus meiner Sicht zwei Faktoren zentral. Das erste ist die eigene Expertise und Exzellenz. Nur durch exzellente Leistungen kann man sich die Anerkennung der anderen Disziplinen erarbeiten und wird so auch geschätzt. Das zweite ist die persönliche Komponente, die diplomatische Strategie, wie man mit seinen Nachbarn umgeht. Hier ist es wichtig die gegenseitige Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen und den jeweils anderen bei schwierigen Fällen einzubeziehen. 

Hierzulande benötigt man als MKG-Chirurg die doppelte Approbation - als Zahn- und Allgemeinmediziner. Das bedeutet ein langes Studium. Sehen Sie das im Vergleich zu anderen Ländern, in denen eine einfache Approbation ausreicht, als Hinderungsgrund, in das Fach einzusteigen?

Nach meiner Erfahrung sind die Studierenden vom Fach so begeistert, dass die Ausbildungsdauer für sie keinen Hinderungsgrund darstellt. Darüber hinaus bieten einige Universitäten die Möglichkeit, eines verkürzten Studiums. Daher sehe ich aktuell kein Problem mit Nachwuchskräften. Zusätzlich empfinde ich die doppelte Approbation als Vorrangstellung. Wie bereits erwähnt, deckt unser Fach ein sehr großes Spektrum ab, was aber international nicht in allen Ländern in gleichem Ausmaße praktiziert wird. Mit einfacher Approbation verschieben sich häufig die Schwerpunkte und Spezialgebiete, wie zum Beispiel Craniofaciale Chirurgie oder mikrovaskuläre Rekonstruktionen fallen eher weg. Entscheidend ist die perfekte Ausbildung an den Universitäten in jeglichem praktizierten Fachgebiet. Das ist es, was zählt, dass die eigene Arbeit höchste Qualität hat.

Was hätten Sie vor Antritt dieser Karriere schon gerne gewusst?

In meiner Generation durften die Assistenzärzte nicht selbst praktisch arbeiten, sondern nur assistieren. Ich habe Hunderte von Spalten assistiert, bevor ich selbst operieren durfte. Dann kam noch hinzu, dass zu dieser Zeit die Osteosynthesen neu waren und die älteren Kollegen die Techniken erst selbst lernen mussten. Heutzutage darf glücklicherweise jeder junge Chirurg schon Traumaversorgungen durchführen und das ist völlig richtig. Man kann sagen, dass ich eine lange Durststrecke hatte, bis ich selbst praktisch arbeiten durfte. 

Nachdem ich international unterwegs und auch bei bekannten Professoren war, wurde mir klar: „To become a guru you have to attend a guru.“ Jeder heute berühmte Chirurg hatte einen anderen berühmten Chirurgen als Mentor. Das zeigt, wie wichtig das Weitergeben von Wissen ist. Am Anfang ist es grundsätzlich so, dass man nicht einschätzen kann, auf was man sich in der Ausbildung konzentrieren sollte, um gut zu werden. Das war auch bei mir nicht anders. Als junger Chirurg benötigt man jemanden, der einem Hilfestellung gibt, Sachverhalte und Zusammenhänge erklärt. Natürlich muss man als junger Chirurg auch seinen Beitrag leisten und Engagement zeigen. So ist das auch für beide Seiten von Vorteil. Neben dem manuellen Operieren, muss man sich zusätzlich eindringlich mit Theorie und dem jeweiligen Fall beschäftigen. Man muss literaturseitig immer auf dem Laufenden sein. Auch hier ist die Empfehlung und anschließende Diskussion eines Mentors wichtig. Nur so kann man Zusammenhänge verstehen und eine breite Kenntnis des Gebiets erhalten. 

Zusätzlich zu diesem Wissenstransfer, hat der Mentor auch eine Vorbildfunktion und spielt bei der Motivation seiner Schützlinge eine wichtige Rolle. Ich sehe das auch bei meinen internationalen Fellows oder Gastärzten. Die gemeinsamen offenen Diskussionsrunden im Out-Patient-Bereich zur Fallplanung und den Ergebnissen werden immer sehr geschätzt. 

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis und was würden Sie Ihren jüngeren Kolleginnen und Kollegen raten?

Man kann nicht in allem gut sein. Man benötigt eine Basisausbildung, man benötigt Know-how - aber damit man wirklich gut wird, muss man sich auf ein Feld konzentrieren. Dafür ist die MKG-Chirurgie ansonsten zu groß. Wenn man sich nur mit einem Bereich auseinandersetzt, wird man natürlich besser als jemand, der versucht alles abzudecken. Auf diesem Teilgebiet sollte man dann versuchen durch fundiertes theoretisches Wissen und praktische Erfahrung exzellent zu werden und herauszustechen. 

Neben dieser Exzellenz spielen auch der eigene Charakter und das private Umfeld eine wichtige Rolle. Ich selbst habe relativ spät zwei Kinder bekommen und bin dadurch drei Jahre aus dem Beruf ausgeschieden. Während dieses Zeitraums hatte ich besonders Sorge, dass mich andere Kollegen überholen und mir die Zeit aus Karrieresicht schaden könnte. Das ist natürlich der Bottleneck in der Karriere aller Frauen. Viele scheiden in unserem Fach nach der Elternzeit aus, weil sie den Sprung nicht schaffen oder es ihnen an einem unterstützenden Umfeld mangelt. Für mich kam bei meinem Wiedereinstieg auch erneut mein Mentor ins Spiel, der mich damals sehr loyal unterstützt hat. Sicher hat es auch eine Rolle gespielt, dass ich mir schon vor der Elternzeit durch meine langjährige Erfahrung ein gewisses Standing erarbeitet hatte und bei meinen Kollegen respektiert wurde. Außerdem hatte ich auch den Rückhalt von Zuhause. Mein Mann ist ebenfalls MKG-Chirurg und weiß somit ganz genau, was das bedeutet. Zukünftig ist es auch international gesehen sehr wichtig, dass Frauen mehr unterstützt werden. Gerade in den skandinavischen Ländern wird das bereits gelebt. Im Vergleich zu früher hat sich aber schon Einiges getan.
 

Haben Sie ein bestimmtes „OP-Ritual“ oder einen Glücksbringer?

Für mich ist ganz wichtig, dass die Atmosphäre im OP stimmt. Am schlimmsten ist es für mich, wenn man in den OP geht und bemerkt, dass das Team schlecht gelaunt ist. Um die Stimmung aufzulockern, erzähle ich deshalb gerne einen netten Witz oder etwas Anderes, worüber man gemeinsam lachen kann. So stärkt man das Team-Gefühl. Hier ist es auch wichtig, dass der Anästhesist mit involviert ist. Man ist ein Team. 

Dann gibt es bei uns noch ein etwas skurriles Ritual. Im OP trage ich immer eine Stirnleuchte mit freilaufendem Kabel, welches durch die OP-Schwester an meinem Rücken fixiert und steril abgedeckt wird. Dazu klebt sie mir ein Tuch auf den Rücken, was bei uns den Namen „Superwoman Cape“ trägt. Darüber lachen wir immer gemeinsam, es bricht das Eis und alle kommen gut gelaunt an den OP-Tisch.

Ein weiteres Ritual hat sich während meiner Schwangerschaft eingeschlichen. Ich habe bis kurz vor der Geburt operiert und musste dann immer zwischendurch etwas trinken. Das geht im OP natürlich nicht so einfach, aber wir haben uns mit einem Saugerschlauch beholfen. Bis heute trinke ich beispielsweise nach der Le Fort I-Osteotomie einen Schluck Cola. Da scherzen die anderen schon ab und zu, dass sie auch eine Cola möchten.

Zu Ihrer Anfangszeit waren Sie vor einer OP sicher nervös. Wie haben Sie das überwunden?

Je besser man sich mit einem Fall auseinandergesetzt hat, desto ruhiger ist man. Zur Fallplanung hat man heute durch die virtuelle 3D-Planung auch tolle Möglichkeiten, alle Schritte genau vorauszuplanen. Das ist eine ganz andere Dimension als früher. Heutzutage weiß man genau, der Unterkiefer wird 8 mm geschwenkt und zusätzlich gibt es ein Hindernis im lingualen Bereich, das entfernt werden muss - als Beispiel. Das zweite, was einem hilft, die Nervosität zu reduzieren, ist die praktische OP-Erfahrung. Je mehr man operiert, desto besser. 

Wie schaffen Sie den Ausgleich zwischen Beruf und Freizeit? 

Ich gebe schon zu, dass man nach einer langen OP ab und an körperlich ermüdet ist. Wenn ich aber weiß, dass die OP gut verlaufen ist, alle am Tisch begeistert waren und für den Patienten ein schönes Ergebnis herauskommt, dann bin ich so voller Endorphine, dass ich nicht erschöpft, sondern wirklich glücklich bin. Ich liebe eben meinen Beruf und das ist auch sehr wichtig. Ich arbeite gerne und auch gerne viel. Zusätzlich habe ich das Backup von zu Hause. Es ist ganz entscheidend, dass das familiäre Umfeld dafür Verständnis hat. Je natürlicher das ist, und da kommen wir wieder auf skandinavische Länder zurück, in denen Haushalt und Familienbetreuung gleichmäßig zwischen Mann und Frau geteilt werden, desto einfacher kann man beides vereinen. Glücklicherweise war ich diesbezüglich immer in einer komfortablen Situation.

Gibt es auch einmal eine OP, nach der Sie sagen, das wollten Sie eigentlich anders lösen oder bei der Sie das Schicksal eines Patienten belastet? Haben Sie Tipps, wie Sie das für sich verarbeiten oder relativieren können?

Das ist völlig richtig. Jeder Operateur hat schwierige Situationen oder Komplikationen, über die man nachgrübelt. Der größte Fehler ist, wenn man versucht, diese zu ignorieren. Wenn ein Fehler passiert, muss man diesen in seine Einzelteile zerlegen und sich überlegen, wie man ihn korrigieren kann. Wenn man aber erkannt hat, dass ein Fehler passiert ist, ist das bereits der erste Schritt, um aus der Spirale herauszukommen. Man muss seine Ergebnisse ständig re-evaluieren. Man muss auch die Größe haben, sich gegebenenfalls den Rat von jemand anderem zu holen. Wenn ich bei einem Fall denke, dass es gut wäre, mich mit jemandem auszutauschen, dann frage ich um Rat. Das ist menschlich. Im Rahmen meines Mentorings einer internationalen Gruppe hat ein Teilnehmer berichtet, dass er immer Probleme mit seinem plastischen Kollegen hatte. Ab dem Zeitpunkt, als er den plastischen Chirurgen bei einem Fall nach seiner Meinung gefragt hat, war das Verhältnis zwischen den beiden Abteilungen deutlich besser. Das zeigt noch einmal, wie wichtig es ist, die Größe zu haben, ein Problem zu diskutieren. Dann steigt auch die Akzeptanz.

Jetzt möchten wir natürlich noch gerne mehr über Ihre Erfahrungen als Präsidentin der IAOMS und dieses spannende Amt erfahren. Ab wann wussten Sie: Ich will Präsidentin der IAOMS werden?

Ehrlich gesagt glaube ich, dass das der innere Kreis vom „Board of Directors“ früher als ich wusste. Ich war Mitglied in der internationalen Gesellschaft und begonnen hat das Ganze 2005 mit unserem Weltkongress ICOMS in Wien. Diese großen Kongresse benötigen eine lange Vorbereitungszeit - im Durchschnitt zwei Jahre. Mein damaliger Chef war der „Chair of Organization“, aber ich war diejenige, die alles geplant und umgesetzt hat. Ich hatte alles unter Kontrolle und der Kongress war in finanzieller, wissenschaftlicher und sozialer Hinsicht sehr erfolgreich. Die Teilnehmer sprechen teilweise heute noch von diesem Kongress. Für mich war das sozusagen das Karrieresprungbrett in der internationalen Gesellschaft. Ich war für verschiedene „Task Forces“ zuständig, habe verschiedene Funktionen übernommen und offensichtlich haben die anderen Mitglieder dann gesehen, dass in dieser Wienerin Potenzial steckt. Um Präsident zu werden, gibt es eine Leiter. Es ist nicht so, dass man sagt: „Jetzt werde ich Präsident.“ Es gibt schon gewisse Vorfunktionen und Positionen, die man innehaben muss, von denen aus man dann erst wählbar wird. Das wird über Gremien mit fast 90 verschiedenen Nationen entschieden. Zunächst war ich sechs Jahre lang „Member at Large“. Von dort aus kann man dann zu „President-Elect“ und dann zum „President“ weitergewählt werden. Erst ab dem Zeitpunkt, ab dem ich die Position „Member at Large“ für sechs Jahre innehatte, war mir bewusst, dass sich das in diese Richtung bewegen könnte. Ich muss aber auch sagen, dass ich diese Karriere nicht verbissen verfolgt habe. Ich möchte nicht sagen, dass mir die Position zugeflogen ist, aber ich habe von allen Seiten sehr positives Feedback erhalten und das habe ich für mich genutzt. Ab dem Zeitpunkt, ab dem ich „Vice President-Elect“ war, wusste ich natürlich, dass es in die Richtung geht.

Welche Pflichten gehen mit Ihrem Amt als Präsidentin einher?

Das ist etwas, was ein Außenstehender und vielleicht auch unsere Mitglieder nicht alle wissen. Die IAOMS ist eine professionelle Gesellschaft mit 4.000 Mitgliedern und wird wie ein amerikanisches Unternehmen geführt. Es gibt den „Executive Director“, das „Board of Directors“, „Treasurers“, „Past Presidents“ und so weiter. Man hat Entscheidungen zu treffen, die nicht unbedingt nur fachspezifisch sind, sondern auch eine extreme Wichtigkeit für die Existenz der Gesellschaft und das Management haben. Voraussetzung ist auch, dass man in Englisch sattelfest ist. Ich muss hier beispielsweise englischsprachige Anwaltsverträge lesen und beurteilen. Das ist die eine Seite und die andere Seite, die mir vom Herzen her viel wichtiger ist, das sind die Mitglieder. Es ist ganz wichtig, dass man wirklich versucht, ein Botschafter zu sein. Damit die 4.000 Mitglieder wissen, dass sie jemanden haben, der nicht nur abgehoben in den Wolken die Geschäfte führt, sondern der an ihrer Seite ist. Da habe ich sicher durch mein bodenständiges, natürliches und offenes Wesen auch die Möglichkeit, ihnen das zu zeigen und das wird schon geschätzt. Die Leute wissen, wenn sie ein Problem haben, können sie zu mir kommen und ich werde versuchen, einen Lösungsweg zu finden. Wir sind für die Mitglieder da und das ist sicher das aller, aller wichtigste. Aber natürlich ist es ein internationales Business, das auch entsprechende Führung, Management und strategische Planung benötigt. Es ist nicht ganz unkompliziert.

Was war Ihr bisher spannendstes Erlebnis als IAOMS-Präsidentin?

Das Spannendste ist für mich die unglaubliche Zuneigung und das emphatische Feedback, das ich aus der ganzen Welt erhalte. Das berührt mich wirklich sehr. Vor COVID-19 war ich ständig auf Reisen, ob auf den Philippinen, Asien, Südamerika, Mexiko – überall wurde ich unglaublich freundlich empfangen und meine bloße Anwesenheit oder ein Vortrag wurden sehr geschätzt. Da kommt wieder die Vorbildfunktion zum Tragen. Vor vier Jahren habe ich mit Alfred Lau unserem „Chair of Next Gen“ das „Next Gen Committee“ mit dem Ziel gegründet, die junge Generation in der IAOMS zu unterstützen. Mir ist ganz wichtig, dass wir nicht der „Old Boys and Girls Club“ sind. Natürlich benötigt dieser Transformationsprozess eine Weile, aber wir sehen schon jetzt positive Veränderungen und erhalten auch von den jungen Menschen sehr viel Zuspruch, was ich wirklich toll finde. Natürlich kommt hinzu, dass ich nicht nur für Next Gen, sondern auch für Frauen ein Vorbild bin. In meiner Funktion war in der amerikanischen Gesellschaft oder der EACMFS beispielsweise noch keine Frau. Das ist für die jungen Kolleginnen schon inspirierend und wichtig. Dieses Feedback ist für mich unglaublich. Dadurch weiß ich, dass ich in der richtigen Position bin und etwas bewegen kann. 

Was haben Sie aus der Zeit als IAOMS-Präsidentin bisher für sich an neuen Erkenntnissen mitgenommen?

Wenn wir jetzt wieder über Erfolg und Erfolgsmodelle sprechen, habe ich für mich mitgenommen, dass Kommunikation in jedem Gebiet ein ganz essenzieller Faktor ist. Ein weiterer Punkt, ist das eigene Netzwerk, welches man nur durch Kommunikation aufbauen kann. Ich glaube auch, dass das in der Schulausbildung unserer Kinder völlig unterschätzt wird. Nur durch Kommunikation und die Offenheit, auf andere zuzugehen, kann man erfolgreich werden. Das gilt für das Berufsleben aber auch für die IAOMS. 

Für die IAOMS ist die Next Gen ganz entscheidend und ich wünschte, ich könnte das allen nahelegen. Als Jugendliche bin ich immer viel gereist, hatte überall Freunde und damit ein großes Netzwerk. Genau diese Netzwerkbildung möchten wir bei der Next Gen durch verschiedene Programme unterstützen. Zum einen stellen wir mit dem „Red Book“ eine Übersicht der verschiedenen Center bereit, in die die jungen Kollegen gehen können. Zum anderen hoffe ich, dass wir irgendwann die Möglichkeit eines Observerships bieten können, bei dem die Fellows ihre Wohnungen untereinander tauschen können, sodass sie Unterkunftskosten sparen können. Das wäre natürlich noch ein Schritt weiter, um perfektes Networking zu ermöglichen. Finanzielle Hindernisse limitieren die jungen Ärzte häufig. Mein großer Dank geht hier auch an die KLS Martin Group, die ein fantastischer, unglaublich großzügiger Unterstützer unserer Gesellschaft ist. Über diese Verbindung sind wir sehr dankbar. Nur so ist es auch möglich, diese tollen Programme umzusetzen, auch wenn die Maßnahmen mit der aktuellen Corona-Pandemie zum Stillstand gekommen sind. Ich hoffe, dass wir diese bald fortführen können. 

Wie haben Sie die Strategie der IAOMS aufgrund der Corona-Pandemie angepasst und welche Auswirkungen hat das auf die IAOMS nach der Pandemie?

Ich bin sehr viel gereist und war zu speziellen Meetings immer vor Ort. Face-to-Face, der Spirit und der freundschaftliche Umgang miteinander, sind für die IAOMS unglaublich wichtig. Wenn man beispielsweise vor Publikum einen Vortrag hält und das direkte Feedback und den Austausch mit den Zuhörern hat, das ist wirklich schön. Diese Atmosphäre kann man nur schwer über einen Bildschirm übertragen. Wir Menschen sind so konzipiert, dass wir gesellig sind und uns mit anderen umgeben möchten. Dass das aktuell wegfällt ist ein trauriger Nebeneffekt, unter dem alle leiden.

Für den kontinuierlichen Austausch und Wissenstransfer haben wir aber versucht, den Schalter direkt auf „digital“ umzulegen. In kürzester Zeit hat unser Kommunikationsteam Micro-Learning-Sessions, virtuelle Konferenzen und Webinare auf die Beine gestellt, was wirklich erstaunlich war. Diese Strategie werden wir zunächst so weiterverfolgen. 

Für die Next Gen wird es Virtual Sessions geben. Leider können wir aktuell nichts Anderes anbieten. Ich hoffe aber, dass wir bald mit den Fellow- und Observerships und damit dem internationalen Austausch fortfahren können.

Zukünftig werden Veranstaltungen hybrid sein. Sprich, es gibt Teilnehmer vor Ort, aber auch einige, die sich online dazu schalten.

In der jetzigen Situation möchte ich allen nochmals Gesundheit und Durchhaltevermögen wünschen. Gerade wir als MKG-Chirurgen sind bei unserer Arbeit, am Kopf des Patienten, der Situation ausgesetzt. Ich möchte aber auch nochmal an alle appellieren, sich in der aktuellen Situation nicht zu verstecken, sondern auch weiterhin virtuell Wissen zu teilen und miteinander Kontakt zu halten. 
 

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